Salmo & Onco Dyhrberg Lachsgeschichten



Onco hielt sich ran. Der Christbaum stand, als es klingelte. Es war Salmo. Breites Grinsen im Gesicht, dickes Paket unter dem Arm. «Herzlich willkommen, du Schwachstromelektriker», sagte Onco. «Danke, ich mag dich auch. Lässt du mich jetzt rein, du Schiffschaukelbremser? Dann zeig ich dir, wie Lachs an Weihnachten geht.»

Onco: «Du und deine Rezepte».

Salmo: «Beim Essen hast du dich noch nie beklagt. Überhaupt, du hast gefordert, ich solle in den Rezepten mehr Feuer legen.»

Onco: « Ich sagte, du sollst die Rezepte ins Feuer legen.»

Salmo «Hahaha. Witz, komm raus, du bist umzingelt». In der Küche knallte er das Paket auf den Tisch. «Lachsseite. Wildfang. Atlantik.»

Onco: «Gut, und jetzt?»

Salmo rieb sich mit Daumen und Zeigefinger die Augen. Dann litzte er die Hemdsärmel nach hinten und wusch sich die Hände.

Ein Streifen Backtrennpapier kam auf das Ofengitter, darauf platzierte Salmo sorgfältig die Lachsseite.

Onco: «Backblech geht doch einfacher. Wieso das Gitter?»

Salmo: «So zirkuliert im Ofen die Luft freier.»

Er löste ½ Esslöffel Salz, ½ Teelöffel Zucker in zwei Esslöffel lauwarmem Wasser auf und bepinselte damit den Lachs, dem zuvor mit der Pinzette die Gräten gezupft wurden. Zum Schluss kam noch ein Pinselstrich Olivenöl drüber.

«Jetzt wird’s weihnachtlich», sagte Salmo, ging mit dem Brotmesser ins Wohnzimmer und säbelte etwas Chries von der Weisstanne ab.

Onco: «Du rücksichtsloser Intelligenzverweigerer, du Knalltütenjongleur! Du killst meinen Weihnachtsbaum!»

Salmo: «Ach komm, du Daumenlutscher, flenne nicht und heiz den Ofen auf 85°Celsius vor, keine Umluft, nur dezente Wärme».

Onco: «Ist das alles!?! Welche Gewürze kommen noch drauf?»

Salmo: «Ihr selbsternannten Kochhelden solltet mal aufhören, ständig alles mit 27 Gewürzen zuzupflastern.»

Salmo schob den Lachs, ohne weiter auf Onco zu achten, in die Ofenmitte. Timer: 30 Minuten. Mit dem Bunsenbrenner brachte er Holzkohle in einer Schale zum Glühen.

Onco: «Jetzt räuchert er noch meine Küche aus! Ich dreh durch.»

Salmo stellte die Schale in den Ofen unter den Lachs und warf eine Handvoll zerquetschte Wacholderbeeren sowie eine Handvoll Tannennadeln auf die Kohle. Onco schüttelte ungläubig den Kopf.

Sie warteten 10 Minuten und Onco glaubte, das Schlimmste sei überstanden, als Salmo eine grosse Handvoll Tannenchries auf die Holzkohle gab, es anzündete und die Ofentüre zuschlug.

«Strohfeuer», lachte er und Onco heulte: «Mein neuer Compi-Air-Steam. Nigelnagelneu und du tasmanischer Teufel zündest ihn an». Er war kaum zu beruhigen. Nach 30 Minuten schaltete Salmo den Ofen aus, öffnete einen 15 jährigen Bladnoch Adela, goss zwei Gläser ein und holte den Lachs aus dem Ofen.

Er schnitt aus der Mitte eine Tranche heraus, die er Onco in den Mund schob. Das dichte Aroma des Lachses, unterstrichen von der subtilen, ja flüchtigen Note des Rauches von der Weisstanne und dem Wacholder trieb Onco eine Träne ins linke Auge. «Du alte Gewitterhexe erwischst mich immer wieder!» «Ich mag dich auch, du Giftzwerg. Fröhliche Weihnachten.»